Wiederansiedlung von Rebhühnern

Das Wiederansiedeln von Rebhühnern ist eine beliebte Methode und wird in vielen Revie­ren praktiziert, ist jedoch meist nicht erfolgreich. Sie sollten keine Zuchttiere in Gebiete aussetzen, in denen noch Rebhühner vorkommen (auch wenn die Bestandsdichte schon niedrig sein sollte), sondern am besten noch bestehende Populationen über lebens­raum­aufwertende Maßnahmen fördern.

 

Rebhühner sind Standvögel, das bedeutet, dass sie in der Regel keine weiten Wande­rungen unternehmen und ganzjährig in ihrem Gebiet bleiben. Durch natürliche Auslese­mechanismen haben nur diejenigen Tiere überlebt und sich fortgepflanzt, die an ihren lokalen Lebensraum am besten angepasst sind. Die autochtonen, also in einem lokalen Gebiet angestammten, Tiere bilden aufgrund der geringen Durchmischung mit anderen Beständen unterschiedliche, lokal angepasste „Ökotypen“ aus. Die Unterschiede können das Aussehen oder brutbiologische Phänomene wie den Zeitpunkt der Verpaarung oder der Eiablage, die Gelegegröße oder die Bereitschaft zu Ersatz­ge­legen betreffen. Die Einkreuzung fremder Hühner kann deshalb fatale Folgen haben, die in einigen Fällen zum Erlöschen der lokalen Wildpopulation geführt hat!

 

Die im Handel verfügbaren Rebhühner stammen meist aus osteuropäischen Herkünften und eignen sich nicht zur Auswilderung in Mitteleuropa. Weiterhin sind Volierenvögel zumeist über Generationen in Gefangenschaft gezüchtet worden. Sie sind anfälliger für Krankheiten, können Krankheiten und Parasiten auf den Wildbestand übertragen und diesen damit gefährden. Künstlich aufgezogene Rebhühner haben eine geringere Flug­ausdauer und können die in Freiheit verfügbare Nahrung schlechter verwerten als Wild­vögel. Sie verfügen auch nicht mehr über ein ausreichendes instinktives oder über ein von den Eltern erlerntes Feindver­meidungsverhalten. Im schlechtesten Fall sorgen diese leichter zu erbeutenden Tiere dafür, dass Räuber sich verstärkt auf Rebhühner als Beutetiere konditionieren!

 

Die in einem Gebiet angestammten Rebhühner geben ihrem Nachwuchs in der Aufzucht- und Führungszeit wichtige, erlernte Erfahrungen darüber weiter, wo und wann im Gebiet die besten Plätze für Nahrung, Deckung und Brut und wo Räuber zu erwarten sind. Fremde Hühner oder Zuchttiere verfügen über diese Erfahrungen nicht, was sich in einer erhöhten Sterblichkeit durch Räuber oder Straßenverkehr niederschlägt.

 

Auch das Aussetzen von Tieren in Gebiete, in denen Rebhühner bereits ausgestorben sind, muss sehr sorgfältig geplant werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden solche Gebiete im Gegensatz zu noch besiedelten von mangelhafter Qualität sein. Das bloße Aussetzen von Zuchttieren ist sinnlos, wenn nicht gleich­zeitig umfang­reiche Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung durchgeführt werden. Das Geld, dass Sie für Zuchttiere investieren müssen, ist wesentlicher besser in einer Verbes­serung der Landschaft ange­legt. Wenn Sie trotz aller Gegenargumente planen Rebhühner auszusetzen, tun Sie das nur in Gebieten, in denen es keine ange­stammt­en Tiere mehr gibt. Informieren Sie sich unbedingt vorher und sehr ausführlich darüber, welche Dinge zu beachten sind. Der Game and Wildlife Conservation Trust in England hat viel Erfahrung mit der Wieder­an­sied­lung von Rebhühner gesammelt und zu dem Thema einen Leitfaden (in Englisch) herausgegeben.

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